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Gefahren in der Luft

Kinderzimmer oft nicht frei von Schadstoffen

Schadstoffe in der Luft von Kinderzimmern sind eine ernste Gefahr für die Gesundheit von Kindern. Möbel, Fußböden, Farben etc. setzen teilweise toxische flüchtige organische Verbindungen (VOC) frei. In sehr vielen Haushalten werden Kinder jedoch einer oft unterschätzten Schadstoffquelle ausgesetzt – dem Passivrauchen. VOC und Passivrauchen können bei Kindern ernsthafte Krankheiten und Allergien auslösen. Selbst im Erwachsenenalter macht sich eine Schadstoffexposition in der Kindheit noch durch ein erhöhtes Krankheitsrisiko bemerkbar.

Passivrauchen schädigt Kinder

Beim Rauchen wird nur etwa ¼ des Tabakrauchs inhaliert. Der Rest des Rauchs entweicht in die Raumluft. Leben Kinder in Raucherhaushalten werden sie so unfreiwillig zu Passivrauchern. In Deutschland trifft dies für etwa jedes 4. Kind zu. Neben Nikotin enthält Tabakrauch ca. 4000 andere Chemikalien. Zu den schädlichsten Vertretern gehören dabei zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Blei, Arsen, Benzol und Nitrosamine. [1] Säuglinge und Kinder reagieren wegen ihres noch nicht voll funktionsfähigen Immunsystems und der laufenden körperlichen Entwicklung besonders empfindlich auf Schadstoffe. Passivrauchen erhöht bei Kindern unter anderem das Risiko für Krebs, Lungenentzündungen, Asthma, Infektionen und Neurodermitis. Außerdem werden Entwicklungs- und Konzentrationsstörungen bei Kindern teilweise dem Passivrauchen zugeschrieben. Selbst Erwachsene Nichtraucher, die als Kind Passivraucher waren, haben noch ein erhöhtes Krebsrisiko. Passivrauchen wird in Deutschland ebenfalls für jährlich etwa 60 Fälle des plötzlichen Kindstods (SIDS) verantwortlich gemacht. [2] Rauchen und Passivrauchen während der Schwangerschaft stellt ferner ein erhebliches Gesundheitsrisiko für das ungeborene Kind dar.


Tipps zum Schutz von Kindern vor dem Passivrauchen:

  • Rauchen im Auto setzt Kinder einer extremen Schadstoffbelastung durch Passivrauchen aus und ist daher unbedingt zu vermeiden.
  • In früheren Raucherhaushalten sollte vor allem das spätere Kinderzimmer komplett renoviert werden: alte Tapeten und Teppichböden entfernen, Matratzen und Gardinen ersetzen etc.
  • In Haushalten mit Kindern darf möglichst nicht in den Innenräumen geraucht werden. Lüften reduziert die Rauchbelastung nur bedingt, da sich Schadstoffe von Tabakrauch in Gardinen, Tapeten, Fußböden etc. festsetzen.
  • Rauchen während der Schwangerschaft sollte absolut tabu sein.

Kinderzimmer oft mit Schadstoffen belastet

Neben Tabakrauch kann die Raumluft von Kinderzimmern mit vielen weiteren Schadstoffen belastet sein. Besonders häufig sind dabei flüchtige organische Verbindungen (VOC) anzutreffen. VOC sind dampf- und gasförmige Stoffe in der Luft mit organischem Ursprung. „Organischer Ursprung“ deutet dabei keinesfalls auf unschädliche Ökostoffe hin. In der Chemie werden alle Kohlenstoffverbindungen als „organisch“ bezeichnet. Zu den VOC gehören zum Beispiel Kohlenwasserstoffe wie das krebserregende Benzol und viele Lösungsmittel. Eine Untergruppe der VOC stellen die schwerflüchtigen organischen Verbindungen (SVOC) dar. Zu den SVOC gehören unter anderem Holzschutzmittel wie Lindan und PCP, Flammschutzmittel, PCB, polyzyklische aromatische Verbindungen (PAK) und Weichmacher. Holzschutzmittel sowie Weichmacher aus Fußböden und Kunststoffgegenständen gehören zu den häufigsten Schadstoffen im Kinderzimmer. [3] Diese SVOC gehen bei Zimmertemperatur kaum direkt in die Raumluft über. Durch mechanischen Abrieb reichern sie sich jedoch im Hausstaub an und gelangen so über die Lunge in den Körper. Zu den gefährlichen Schadstoffen im Kinderzimmer gehören auch leicht flüchtige Lösungsmittel aus Farben, Lacken und Klebstoffen. Diese Lösungsmittel gehen direkt in die Raumluft über und gelangen so unmittelbar in die Lunge. Sehr häufig sind Kinderzimmer auch mit dem Schadstoff Formaldehyd belastet. Formaldehyd kann zum Beispiel aus Spanplatten entweichen.

Welche Gesundheitsgefahren gehen von Schadstoffen im Kinderzimmer aus?

Weichmacher wie Diethylhexylphthalat (DEHP) können bei Kindern das Risiko für Neurodermitis und hormonell bedingte Entwicklungsstörungen deutlich erhöhen. Außerdem stehen sie im Verdacht, Diabetes zu begünstigen. Auch eine erhöhte Aufnahme von Weichmachern während der Schwangerschaft erhöht das Neurodermitis-Risiko des Kindes. Die Holzschutzmittel PCP und Lindan sind krebserregend bzw. nervenschädigend. Eine Beteiligung von Lindan an der Entstehung von Multipler Sklerose wird diskutiert. Lösungsmittel können zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Konzentrationsstörungen führen. In hohen Dosen und bei langer Exposition sind auch Nervenschäden möglich. Formaldehyd gilt als krebserregend.


Lufttest im Kinderzimmer macht Schadstoffe sichtbar

Die meisten Schadstoffe kann der Mensch nicht wahrnehmen. Mit einem Lufttest kann jedoch einfach festgestellt werden, ob im Kinderzimmer Schadstoffe in kritischer Menge vorhanden sind. Bei einem Lufttests können unterschiedliche Stoffe im Fokus stehen – VOC, SVOC oder Schimmel. Der Lufttest im Kinderzimmer hilft Ihnen auch dabei, der Ursache von evtl. unerklärlichen Gesundheitsbeschwerden Ihres Kindes auf den Grund zu gehen. Dieses hält sich täglich viele Stunden täglich im Kinderzimmer auf und wird daher auch von der Luftqualität in diesem Raum beeinflusst. Ein schadstoffarmes Kinderzimmer ist daher besonders wichtig, weswegen eine Analyse der Luft im Zweifelsfall immer anzuraten ist.

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Tipps zur Reduktion von Schadstoffen in der Luft von Kinderzimmern:

  • Regelmäßiges Lüften (3 Mal täglich 10 Minuten) reduziert Schadstoffe in Kinderzimmern.
  • Ein Lufttest kann aufdecken, ob im Kinderzimmer überhaupt erhöhte Werte an Schadstoffen vorliegen.
  • Fußböden und Möbel sollten nicht aus PVC (hoher Weichmacheranteil) bestehen. Naturbelassenes Holz oder Kork (bei Böden) ist hier die bessere Wahl.
  • Alte, mit Holzschutzmitteln behandelte Fußböden, Deckenbalken oder Wandvertäfelungen möglichst entfernen. Lassen Sie sich von einer Fachfirma dazu beraten.
  • Farben und Lacke sollten keine schädlichen Lösungsmittel enthalten. Das Siegel „Blauer Engel“ weist auf schadstoff- und emissionsarme Produkte hin.
  • Um Hausstaub nicht aufzuwirbeln, werden Fußböden am besten nur feucht gewischt. Bei der Verwendung von Staubsaugern sollten Sie nur Geräte mit Mikrofiltern verwenden.




[1] Ärzte Zeitung, „Die Risiken von Passivrauchen werden weiter unterschätzt...“: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/suchtkrankheiten/article/555982/risiken-passivrauchen-weiter-unterschaetzt-kinder-leidtragenden.html

[2] Deutsches Krebsforschungszentrum, „Gesundheitsrisiko Passivrauchen“: http://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/Passivrauchen.html

[3] Umweltbundesamt, „Flüchtige organische Verbindungen (VOC)“: http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/fluechtige-organische-verbindungen